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#347 May 2007
-Natascha: Kriminalpsychologe hilft Zehn vergleichbare Fälle seit 1975 ("Die Presse" 21.03.1998) **VO-Parallelen zwischen dem Verschwinden von Natascha Kampusch (10) und ähnlichen Vorfällen seit 1975 will der Kriminalpsychologe Thomas Müller aufzeigen. Fazit: Den typischen Kinderschänder gibt es nicht. -WIEN (mü). Ein fast hundertprozentig abgestimmtes Täterprofil wie beim mutmaßlichen Briefbomben-Attentäter Franz Fuchs aus Gralla kann der Kriminalpsychologe Thomas Müller nach dem Verschwinden der zehnjährigen Natascha aus Wien-Donaustadt nicht bieten. Denn während Müller bei Fuchs aus Dutzenden Puzzlesteinen in Bekennerbriefen wählen konnte, fehlen diesmal Hinweise auf den Täter. "Wir haben die Grenzen der Verbrechensanalyse erreicht", meint Müller im Gespräch mit der "Presse". Und dennoch hat der Kriminalpsychologe seinen Kollegen im Sicherheitsbüro weitergeholfen: Und zwar mit Hilfe des aus Kanada importierten Computerprogramms Viclas (Violence Crime Linkage Analysis System). Diese Datenbank überprüft Ähnlichkeiten zwischen Straftaten: "Wir haben alle einschlägigen Delikte seit 1975 gespeichert", meint Müller. Der Computer warf zehn Taten aus, wo Kinder zwischen drei und 15 Jahren beiderlei Geschlechts im Freien angesprochen oder entführt wurden. Neun Fälle aus Österreich, einen aus Bayern. Nur zwei davon sind ungeklärt. **ZW-"Keine Glaskugelleserei" -Die Täter von damals wurden auch im Fall Natascha überprüft, dabei ging - wie berichtet - ein 37jähriger Mann aus Korneuburg ins Netz, der Kinder für Sex-Photos posieren hatte lassen. Mit dem Fall Natascha hat aber auch er nichts zu tun. Laut Müller würden Täter bestimmte Entscheidungen immer wieder treffen - etwa was die Auswahl der Opfer, des Tatortes oder des Zeitpunktes des Zuschlagens betreffe. Bei Natascha helfe diese Erkenntnis aber nicht weiter, da man zu wenig Anhaltspunkte habe: "Es ist normalerweise nicht möglich, ein Verbrechen zu begehen, ohne daß der Täter ein bestimmtes Verhalten hinterläßt. Hier gibt es zwar eine vermißt gemeldete Person, aber kein Täterverhalten." Genau dies mache die Lösung so schwer: "Bei einer erpresserischen Entführung kann man aus der Länge eines Briefes oder aus dem Zeitpunkt des Anrufes gewisse Schlüsse ziehen, hier aber nicht." Aus diesem Grund will sich Müller auch auf keine Spekulationen einlassen, wie der Täter aussehen könnte: "Das klassische Täterprofil eines Kinderschänders oder Mörders, der die Tat aus sexuellen Motiven begeht, gibt es nicht. Und alles andere wäre Glaskugelleserei." Apropos Glaskugel: Im Sicherheitsbüro meldeten sich am Freitag Personen, die durch Pendeln oder Hellseherei Hinweise auf Natascha geben wollen. Wirkliche Neuigkeiten, so ein Fahnder, gebe es aber nicht. |
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